Reosch | Die ressourcenorientierte Schule | Privatschule Bern | Christophe, 22, ehemaliger Schüler

Christophe, 22, ehemaliger Schüler

Hier an der Schule kam ich zum ersten Mal mit dem Thema Kampfkunst in Verbindung. Heute ist sie für mich mein Lebensinhalt, meine Lebensphilosophie. Sie ist ein Weg, sich selber neu zu entdecken und zu seinem Ursprung zurück zu kehren. Der Kampf ist dabei nicht eine Auseinandersetzung zwischen zwei Personen, sondern eine Kunstform.

Derzeit trainiere ich jeden Tag.

Insofern bin ich der Schule noch sehr verbunden und arbeite nebenbei sogar hier als Praktikant. Weil ich die Schülerinnen und Schüler verstehe, denn meine eigene Schulzeit war auch von vielen Schwierigkeiten geprägt.

Von der ersten bis zu vierten Klasse war ich sehr motiviert, hatte viele Freude. Das hing damit zusammen, dass ich in den Gruppen, in denen ich war, immer eine besondere Rolle hatte. Ich war sehr autoritär, diktatorisch, war dadurch immer so etwas wie der Führer. In der Grundschule konnten meine Lehrer damit pädagogisch umgehen, beherrschten dieses System einigermaßen.

In der fünften Klasse bekam ich allerdings einen Lehrer, der mich und meine Rolle plötzlich nicht mehr akzeptierte. Und ich ihn nicht. Das war für mich, der ich immer gesagt habe, wo es lang geht, der immer bestimmt hat und andere für sich arbeiten ließ, ein enorm großes Problem.

Zu dieser Zeit hatte ich auch das erste Mal Kontakt mit Haschisch. Und es ist alles zerbrochen. Meine Mutter musste mich sogar auf dem Schulweg begleiten, meine größeren Brüder mich beschützen.

Irgendwann wechselte ich an die REOSCH. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich sagen, dass das auch nicht gerade eine einfache Zeit war. Meine Leistungen waren weiterhin sehr schlecht, die Schule war ein stetiger Kampf, es war also durch den Wechsel nicht alles gut und besser wie vielleicht bei anderen Schülern. An manchen Tagen stand ich kurz vor dem Ausschluss.

Immerhin habe ich hier gespürt, dass man an mich glaubt.

Zwar habe ich den Abschluss geschafft, war aber immer noch sehr auf Konfrontation aus. Erst während der Ausbildung zum Bürokaufmann nahmen meine disziplinarischen Probleme ein bisschen ab. Aber auch nur ein bisschen.

Dann kam irgendwann der Tag, ich weiß gar nicht mehr, was eigentlich der Auslöser war, an dem ich mich entschlossen habe, mein Leben radikal zu ändern. Ich habe aufgehört zu rauchen, aufgehört zu kiffen, aufgehört Alkohol zu trinken. Eine schwerwiegende Entscheidung, denn ich musste mich dadurch auch von meinem geliebten Freundeskreis trennen, der natürlich weiterhin in diesem alten System verwurzelt war.

Vermutlich habe nicht ich selber den Hebel umgelegt, sondern es ist automatisch passiert.

Die REOSCH hat aber einen großen Beitrag dazu geleistet, das ist unstrittig. Ich erinnerte mich an die Mentaltrainings, an die Akrobatik, an die Kampfkunst, daran, mit welchen Methoden man sein Leben in den Griff bekommen kann.

Ein Jahr lang habe ich fast nichts anderes gemacht, als trainiert, habe auf meine Gesundheit geachtet, mich gesund ernährt.

Jetzt, als Praktikant, kann ich mich ganz aktiv meiner Schulzeit stellen. Ich muss das auch. Ich muss in ein Klassenzimmer gehen können, ohne dabei ein schlechtes, aggressives Gefühl zu haben. Das klappt sehr gut. Zu meiner eigenen Verwunderung. Auch wenn es lange genug gedauert hat.

Die REOSCH lässt einen nicht so schnell wieder los.
Diese Schule prägt.
Mich hat sie gerettet.